zuletzt aktualisiert am 15.03.2012

      
 

die NATO Besprechung: kein Grund zur Veranlassung...

zurück zur Übersicht

15.03.2012 | blog von Andreas Lindner zum Thema: Die Besprechung als Zeiträuber?

 
.

Wir alle kennen Zeitgenossen, die eine Besprechung in etwa für so sinnvoll halten, wie Moonboots im Sommer - braucht man nicht. Natürlich geht eine Besprechung immer von der 'normalen' Arbeitszeit ab, hält einen von seiner 'regulären' Tätigkeit ab, fordert noch dazu eine Vorbereitungszeit. Und natürlich schöpft der eine lieber Gedanken und Lösungen im Team, der andere lieber alleine in seiner 'Kammer' oder gar zu Hause auf dem Sofa. Unbestritten ist auch, daß eine Lösung oder ein Konzept im Diskurs 'mit sich selbst' einfacher und schneller auszuarbeiten ist, als etwa in einer Runde mit Kollegen. Die Frage ist aber natürlich, handelt es sich dann um eine Lösung für alle, also für das Team, wird diese dann auch von allen akzeptiert und umgesetzt oder muß nicht eine Lösung oder Strategie oder Idee, die man mit sich selbst ausgemacht und erdacht hat, zwangsweise zu kurz greifen? Fehlt nicht der breite Blickwinkel einer erweiterten Runde mit Kollegen? Und ist nicht die interne Vermarktung eines neuen Ansatzes leichter, wenn diese unter Einbindung einer Gruppe entstanden ist?

Abgesehen davon, gibt es aber noch eine andere Ursache für die weit verbreitete Ablehnung von Besprechungen: die berüchtigte NATO Besprechung.
Solche Besprechungen haben keinen militärischen Charakter, im Gegenteil, es passiert... nichts. NATO steht in diesem Fall für
'no action, talk only' und ich bin sicher, wir alle kennen Besprechungen dieser Art. Im 'Lehrbuch' für die no action, talk only Besprechung stehen einige Regeln, die bei konsequenter Einhaltung, eine ziellose, themenspringende, zeitlich oft ausufernde und wenig konkrete Besprechung, meist ohne verbindliche Konsequenz gewährleistet. Und damit hat die NATO Besprechung noch einen zweifelhaften Vorteil, sie erhält sich quasi selbst, denn mangels konkreter Umsetzung, muß in kurzen Abständen neuerlich eine Besprechung einberufen werden, in der dann oft die gleichen Themen wieder behandelt werden, dabei entsteht dann automatisch auch der lähmende 'Täglich grüßt das Murmeltier-Effekt' oder auch "wie oft haben wir das jetzt schon besprochen...?" . Dass sich hierzu mancher wenig motivieren kann scheint klar, daß es aber nicht an der Besprechung an sich, sondern an deren Umsetzung liegt, wohl auch.

Ich sehe die folgenden, wichtigen Maßnahmen zur Umsetzung einer erfolgreichen und nachhaltigen Besprechung:

  • bereiten Sie sich ausreichend vor, denken Sie im Vorfeld verschiedene Lösungs-Szenarien

  • beziehen Sie schon in der Vorbereitung die Teilnehmer und deren  Bedürfnisse oder mögliche Einwände ein

  • legen Sie sich ein persönliches Besprechungsziel fest

  • packen Sie nicht zu viele Themen in die Agenda, das führt oft zu einer hastigen 'Abarbeitung' der Themen, ohne diese ausreichend auszudiskutieren oder zu durchdenken

  • einer muß moderieren, ohne Moderator geht jede Besprechung schief, am besten moderiert der, der die Besprechung einberuft (Wichtig ist natürlich, daß zumindest die Grundsätze der Moderation bekannt sind)

  • legen Sie kurz einen gemeinsamen Zeitrahmen und das heutige Besprechungsziel fest, Motto: wenn wir heute aus der Besprechung gehen, müssen wir eine Entscheifung getroffen haben

  • dass ein Protokoll - eine formelle Zusammenfassung der Gespräche - ebenfalls unverzichtbar ist, leuchtet vermutlich den meisten ein. Motto: durch wen wurde wann und was veranlasst und soll durch wen bis zu welchem Zeitpunkt umgesetzt werden 

  • Vermeiden Sie es vom Thema abzuschweifen und - mitten in der Besprechung - in eine private Erzählung zu fallen; auch wenn diese unterhaltsam sein mag, nicht jeder wird das schätzen und die Lösungsdynamik wird darunter leiden, weil damit alle abgelenkt werden

  • kontroverse Themen sollten, wenn nötig, ruhig auch 'ausgestritten' werden, als Profi werden Sie in der Besprechung ohnehin nicht persönlich und mit einem möglichst vollständig ausdiskutiertes Thema, wurde die Zeit der Besprechung effizient und nachhaltig genützt, das Thema ist im Idealfall vom Tisch bzw. auf dem Weg zur Umsetzung

  • als Profi halten Sie sich alle an kontrovers aber gemeinsam gefundene Lösungen

Es versteht sich von selbst, daß nicht immer alles nach 'Lehrbuch' gelingt und manchmal beinhaltet sogar das Gegenteil der Regel die Lösung. Aber ich denke, mit diesen wenigen Tipps und Regeln für eine Besprechung, schenken wir uns allen ein wenig mehr Effizienz und Lebensqualität im Beruf, dem Unternehmen wertvolle Arbeitszeit. Ruhig mal ausprobieren.
 

 

schreiben Sie mir Ihr Feedback a.lindner@gmx.com

Andreas Lindner [Dipl. FW] ist seit
14 Jahren in Marketing, Vertrieb und Management tätig.